Reisebericht: Francisville - Cajun Country - Lafayette

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Reisebericht: Francisville - Cajun Country - Lafayette

Reisebericht: Der alte Süden

Francisville, Natchez, Cajun Country, Lafayette,
Plantation Country
 

 

 
Reisetyp: Individualreise
Reisebericht aus dem Jahr: 1998
Altersgruppe des Autors: 45-60 Jahre
 

 
Francisville - Cajun Country
Montag, 6. April 1998

Breakfast is included. Allerdings muß man hier im Frühstücksraum erscheinen und seinen Bon abgeben. Angenehm für uns. In den meisten Motels ist – da wir relativ spät aufstehen – meist schon alles Eßbare verzehrt. Am Nachbartisch sitzen vier unterschiedliche weibliche Gestalten. Eine davon hat ein gewagtes outfit. Rote kurze Hose und eine prall sitzende Bluse.

Dort zeigt man uns, daß Doughnuts für eine paar Sekunden in die Mikrowelle gesteckt – besser schmecken. Sie plusten sich auf und schmecken wirklich besser. Es ist heiß! Up to Downtown.

Natchez: 20.000 Einwohner. Den Grundstock für den Reichtum der Stadt legte die Baumwolle; sie machte zahlreiche Pflanzer im früher 19. Jh. zu Multimillionären, die sich am Mississippi – Ufer luxuriöse und Villen und Paläste lleisten konnten. Z. B. Stanton Hall.

Der Ort ist schön! Man kann sich beim Anblick des riesigen Mississipi–River die Geschichte von Tom Sayer und Huckleberry–Finn gut vorstellen. Am Ufer Treibholz, im Wasser stehen noch einige Bäume, in der Mitte des Flusses eine Insel. Riesige Schubschiffe, die 5 bis 6 Kähne vor sich herschieben wie ein riesiges Floß. Der Schaufelraddampfer "Delta Queen" hat angelegt. Daneben liegt "Lady Luck" ein riesiges Spielcasino vor Anker. Wir schauen uns den Ort noch etwas an. Schöne Häuser und wunderschöne Gärten. Leider brennt die Sonne erbarmungslos. Wir fahren weiter und halten noch an einem K–Mart. Hier kaufen wir für Julia ein Kleidchen. Es geht weiter in Richtung Francisville. Wir fahren vorbei an unterschiedlichen Wohngegenden, Prachtvillen und ärmliche Hütten; Gegenden, wo die Natur geputzt zu sein scheint, ärmere Gegenden, wo die Natur ebenso ist wie die Häuser. Wir verlassen den Staat Mississippi und gelangen in den Staat Lousiana. Am HWY 61 S fahren wir in das Vistior Center. An der Straße blühen Amarilis.
 

Hier gibt uns eine nette Frau viele Informationen und viele Material. Sie erlaubt uns sogar in ihrem backyard zu picknicken. Das tut gut, denn an diesem HWY war kein geeigneter Rastplatz zu finden.

Nachdem wir uns gestärkt haben, fahren wir bei großer Hitze weiter und erreichen Francisville. Der Ort ist hübsch mit seinen prachtvollen Gärten und Antibellum-Häusern.

Hier beginnt das Plantation Country. Von hier aus wird mit Oma telefoniert.

Herrlich gepflegte Rasen, alte Bäume, Arten, die wir zum Teil nicht kennen. Bei einem Fotostopp an einer mit frz. Moos behangenen Allee, die von lilafarbenen riesigen Rhododendronsträuchern gesäumt ist, halten wir an und machen ein paar Fotos, dabei entdeckt Christian 2 Strauße.

 
Ria und Christian fotografieren, ich filme. Da stellt Christian beim Filmwechseln fest, daß sein Film bisher nicht transportiert wurde.

Das in Alabama noch bekannte HWY- Zeichen wird durch ein grünweißes LA Zeichen abgelöst, das verwirrt leicht.

Wir kommen an den Mississippi und nehmen für 1 $ die Fähre.

Auf der Fähre, auf der wir noch mit 5 anderen Autos sind, ist es toll. Sie zieht so schnell über diesen Strom, daß man meint, das könne nicht mit rechten Dingen zugehen. Der Fahrtwind läßt nicht nur die schöne Louisiana-Flagge flattern, sondern auch alles an uns, was nur etwas lose hängt. Ein riesiges Schubschiff schiebt seinen Weg.

Wieder an Land verfahren wir uns und kommen über St. Martinsville nach Opelousas.

In St. Martinsville sehen wir oft Schilder mit dem Hinweis: Hurricane Evacuation Road und einer bestimmten Radiofrequenz. Wir sind im Cajun-Country, in Arcadiana

S t. Martinsville

Galt im 18. Jahrhdrt. Als zentraler "Fluchtpunkt" für die von den Engländern vertriebenen Arcadianern Berühmt aber machten die Stadt erst die Verse des Gedichtes "Evabgeline" (Denkmal) von Henry Wadsworth Longefellow /1802 – 1882), welche die wahre Liebsgeschichte von Emmeline Labiche alias Evangeline und Louis Arceneaux alias Gabriel sowie deren Vertreibung aus der kanadischen Heimat erzählen.

Hier in Arcadiana, das Land der Sümpfe und Bayous, herrschen die Cajuns, ursprünglich französische Hugenotten, die Mitte des 18. Jh. aus Glaubensgründen aus ihrem Siedlungsgebiet in Nova Scotia (Canada) vertrieben worden waren und sich an den Bayous Louisianas niederließen. Ihr Leben war hart, sie schufteten als Fischer, Jäger, Schiffsarbeiter oder Kleinfarmer und schufen sich zugleich eine eigene kulturelle Enklave, und sie pflegten ihre antiquierte französische Sprache weiter- erst 1974 wurde das Französischverbot in der Verfassung von Louisiana aufgehoben - und ihre eigenständige Kochkünste und die eigene Musik. Das Hauptinstrument der Cajunmusik ist die Handharmonika.

Typische Speisen sind hier: der Gemüse-, Fisch- und Huhn - Eintopf : Gumbo und Jambalya, eine Art Paella.

Samstag ist der wahre Sonntag des Cajuns, dann versammeln dich die großen Familien zum BBQ (Barbecue) und zum Tanz.

Zwischen Opelousas und Lafayette fahren wir über meilenlange Brücken, die über die Sümpfe führen wie Pfahlbrücken. Wir fahren durch riesige Swamps des RED - River. Überall Bayous.

Die Freundlichkeit der Leute hier ist verblüffend. Sie grüßen aus allen Ecken, sogar aus dem vorbeifahrenden Auto heraus.

Vor Lafayette übernachten wir in einem von Christian herausgefundenen preiswerten Rodeway Inn für 35 $. Nach dem Einkaufen bei Albertson essen wir im Motel und schauen Arcadiana TV, einem Touristiksender zu. Er sendet Informationen über das Cajunland mit Werbung gemischt. Heute ein Thema über den Genuß des Cajunessens.

Lafayette – Plantation Country
Dienstag, 7. April 1998

Vom Motel fahren wir nach Lafayette, der heimlichen Hauptstadt der Cajun. Christian führt an Hand der Karte. Im Parkhaus parken wir für 1.50 DM ca. 2 ½ Stunden. Auf geht´s!

An dem einzig öffentlich ausgehängten Stadtplan stehen wir um uns zu orientieren. Da grüßt uns ein älterer Herr laut und deutlich mit "Bon jour!". Wir sind verdutzt und freuen uns. Die Menschen hier grüßen uns immer freundlich zu ob als Fußgänger, Autofahrer, Angestellter oder Arbeiter. Wir wandern los und gelangen zur St. Johns Bapt. Cathedral. Diese Kirche erinnert mich an die Art der Myhler Pfarrkirche, wie sie am Niederrhein oder in Holland zu finden sind. Ria und ich entscheiden uns in das kleine Museum zu gehen. Eine freundliche Dame weist uns auf eine Führung hin, die gerade stattfindet und daß wir uns noch anschließen können. Ein einziger Raum der liebevoll ausgestattet ist mit Erinnerungsstücken der bisherigen Bischöfe.

Der Dame, die die Führung macht, zuzuhören ist ein Genuß. Sprachlich geschliffen erzählt sie frei zu allen Ausstellungstücken und kann sehr oft eine persönliche Verbindung herstellen. Sie erzählt von der Gründung durch Franzosen aus dem Elsaß und Holländer aus Tilburg. Sie zeigt uns Bischofsgewänder. Jetzt lebt der 4. Bischof in Lafayette. Zu sehen gab es auch z. B. eine Geige und einen Geigenkasten, die ein Bürger dieser Stadt 1866 gebaut hat. Er hat in bezaubernder Intarsienarbeit den Vatikan dargestellt und zwar gesehen von einer Anhöhe aus. Den Geigenkasten hatte er ähnlich liebevoll verziert. Nebenbei : der Geigenbauer ist nie in Rom gewesen. Die Vorlage war wohl ein Foto.

Ein Bischof war gerade im Vatikan zu Besuch als Mussolini und der Papst die Lateranverträge unterzeichneten. Auf den persönlichen Fotos war alles abgelichtet. Interessant sind auch die Namensänderungen "the six schneiders" zu Schexanayder oder Eisenberg zu Isenberg.
 

Ein Story: Der erste Bischof ritt mit dem Pferd durch seine Diözese. Er hatte stets eine Pistole bei sich. Nicht nur um sich vor wilden Tieren zu schützen, sondern auch vor Räubern, die es auf sein Pferd oder sein Geld abgesehen hatten.

Der Bau der Kirche hatte die Gemeinde in tiefe Schulden gestürzt. Der Bischof hat dann für die 11 Uhr Messe jedem Besucher einen Betrag abverlangt.

Das Geld wurde in Beteiligungen angelegt. Dann hat er eine Firma gekauft, die Treppen herstellte. Da ständig jemand in der Gemeinde baute, wurde er indirekt verpflichtet bei dieser Firma zu kaufen.

In Null-Komma-Nix waren die Schulden getilgt. Jemand aus der Gemeinde hatte aber wohl den Verdacht geäußert, daß der Bischof doch wohl seinen Beruf verfehlt hat.

 
Unsere Dame erzählt von ihrem Europa bzw. Deutschlandtrip. Sie war gerade in Berlin als die Mauer fiel. Sie empfindet uns Deutsche focusierend. Sie meinte die Deutschen würden so zielgerichtet durch die Straßen gehen, weder rechts noch links schauen. Viel weniger würden die Fremde gegrüßt. Sie konzentrieren sich auf ein Ziel, deswegen sind sie wohl so gute Skifahrer.

"Wenn wir alle mehr auf unsere Gemeinsamkeiten sehen würden, als auf unser Anderssein, dann hätten wir mehr Frieden."

Ria lädt sei beim nächsten Deutschlandbesuch zu uns ein.

Während ich 2 Rosenkränze kaufe, kommt unser netter Grüßer herein. Er erinnert uns an Herrn Hölscher oder Onkel Johann. Er wird uns formell als älteres Gemeindemitglied vorgestellt. Ich vermute, er ist der Rendant. Seine Familie gehört zu den Mitbegründern von Lafayette. Er lädt uns zu einem Rundgang durch die Bischofskirche ein. Herrliche Kommentare "Die Deckengemälde stammen von einem holländischen Maler. Michelangelo konnten wir nicht bekommen."

Wir verabschieden uns. Ria und Christian sind bereits zum Friedhof gegangen. Da treffe ich ihn wieder und erklärt mir noch einige deutschstämmige Namen von Persönlichkeiten die auf dem Friedhof beerdigt sind.

Wir stellen fest, daß er jedes Wort nachspricht und kommen zu dem Schluß, daß er wohl taub ist.

Nette Erlebnisse – nette Menschen.

Es blühen hier Blumen, die man bei uns nur als Zimmerpflanzen kennt.

Beeindruckt gehen wir zum Auto zurück. Christian führt uns souverän in Richtung Plantation Country. Wir fahren vorüber an Nottoway –Plantation – ein großer weißer Prachtbau – der im Inneren schöner aussehen soll als Oak-Alley-Plantation, das wir ansteuern.

Zu Beginn des 18 Jh. begannen Franzosen und Briten hier in den Niederungen mit dem Zuckerrohr-, Tabak-, Indigo und Baumwollanbau auf den Plantagen. Die meisten erhaltenen Gebäude stammen aus der Mitte des 19.Jh. und reihen sich entlang des Mississippi von New Orleans nach Baton Rouge beiderseits der Old River Road auf, im Wechsel mit häßlichen, stinkenden Petro-Anlagen und Zuckerrohrfabriken und ärmlich aussehenden kleinen Familienhäusern. Ich denke, wie fühlen die Bewohner hier. Bricht einer auf und wird wohlhabend, wird dieser als der "Auserwählte Gottes betrachtet, während die anderen dem Schicksal ergeben, verharren. (Persuad of happiness)

An diesen ärmlichen Onkel Toms Hütten stehen 1-2 kaputte Autos. Ein Auto ist hier kein Reichtum. Ohne Auto bist du gar nichts.

Wir erreichen OAK – Alley Plantation, die ihren Namen aufgrund ihrer wundervollen von 28 Eichen gesäumten Allee erhielt. Jemand hatte 120 Jahre bevor jemals ein Haus gebaut wurde, je 14 Eichen gegenüber gepflanzt um ein Quadrat herum. Erst dann wurde das Haus errichtet. Vor dem Bürgerkrieg war die Zuckerplantage bewirtschaftet, danach verfiel sie mehr und mehr und wurde schließlich nach der Gründung einer Stiftung als erste Plantage an der Red River Road vollständig restauriert.

Der Film "Fackeln in Sturm" wurde hier gedreht.

Whistle –way: Weg von der Küche, die weit außerhalb dieses Herrenhauses lag, zum Haus. Die Knechte und Mägde mußten pfeifen, wenn sie Speisen ins Haus transportierten, um sicher zu gehen, daß sie nicht von den Speisen probierten.

Besucher bekamen zu Beginn des Besuches eine Ananas hingestellt. Wenn sie zu lange bleiben, wird die nächste hingestellt. Was soviel heißt, daß sie nun endlich gehen sollten. Man bleibt solange wie sich eine Ananas hält.
 

Walter Jansen
Walter Jansen

Walter Jansen befindet sich im Ruhestand und hat nun endlich die Zeit gefunden seinem grossen Hobby dem "Reisen" nachzugehen. Neben seiner Frau und seinen Kindern sind Filmkamera und Fotoapparat dabei seine treuesten Reisebegleiter. Aber auch seine Gitarre darf nicht fehlen. Mit ihr bringt Walter Jansen vielen Menschen Unterhaltung und Freude. Besonders unterwegs bringt das Gitarrenspiel Menschen zusammen und Freundschaften werden durch die Musik leicht angebahnt.

Sein meist besuchtes Land ist Nord Amerika. Aber auch Malaysia, Australien, Neuseeland und einige Laender Afrikas faszinierten und inspirierten Walter Jansen zu weiteren Reiseabenteuern. Die naechste groessere Reise ist bereits in der Planung. Eine Reihe asiatischer Laender wird dieses mal das Ziel sein. Ganz neue Eindruecke und Abenteuer werden Gelegenheit zu weiteren Berichten geben.

www.reisekladde.de/

Kontakt via: kontakt@reisekladde.de

© Copyright für Artikel und Bilder liegen beim Autor

 

 

Die 28 Eichen sind faszinierend mit den weit ausgedehnten Wurzeln. Wir machen noch ein Picknick auf dem Plantationgelände und fahren dann in Richtung New Orleans weiter. Vorbei an riesigen Öltanks und Raffinerien, an armseligen Hütten gelangen wir auf den Westbank Express Way (HWY 90 West). Christian hatte im Gutscheinheft ein Travelodge Hotel in New Orleans ausfindig gemacht für 45 $. Christan führt uns wie ein Einheimischer dorthin:

Travelodge Hotel New Orleans–Westbank

2200 Westbank Expressway

New Orleans Harvey LA 70058

Wir buchen zunächst 2 Tage. Ein Shuttlebus fährt alle 15 Minuten ins French Quarter. Christian und ich haben MCDONALD gesehen und wollen zu Fuß dorthin. Wir gehen ca. 300 Meter, dann kommt man als Fußgänger nicht weiter. In Amerika fährt man überall mit dem Auto hin. Aus, basta! Auch zu MCDONALD um die Ecke. Wir springen wie die Hirsche und gelangen nur bis Taco Bell. Hier essen wir etwas Mexikanisches und beim Heimgehen werden wir naß. Ria, die so toll gefahren ist, ist froh als wir wieder zurück sind.

Ein schöner Tag zu Ende geht.

Nächste Etappe: New Orleans -Tallahassee
 

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